Rapid Wien entlässt Trainer Stöger nach 1:4-Niederlage in Polen und Europacup-Aus 29 November 2025
Benedikt Immelmann 0 Kommentare

Die Luft ist raus. Nach einer enttäuschenden 1:4-Niederlage bei Rakow Częstochowa in Sosnowiec hat SK Rapid Wien am Freitag, den 28. November 2025, Cheftrainer Peter Stöger (59) und seinen Assistenten Thomas Sageder mit sofortiger Wirkung entlassen. Die Entscheidung kam überraschend – nicht wegen des Ergebnisses allein, sondern weil Rapid trotz dieses Debakels noch auf Platz zwei der österreichischen Bundesliga liegt. Doch der Europacup-Aus, die Fans im Stadion, die Serie aus Niederlagen – das alles hat den Verein zum Handeln gezwungen.

Ein Absturz, der nicht mehr zu ignorieren war

Am Donnerstag, den 27. November 2025, sahen knapp 900 Rapid-Fans, wie ihr Team in Polen nicht nur verlor – sondern sich regelrecht aufgeben. Rakow Częstochowa zerschlug Rapid mit einem Hattrick von Diaby-Fadiaga in nur zwei Minuten (53. und 55.), während die Wiener mit einem leeren Angriff und einer sichtbaren mentalen Blockade auftraten. Die Fans skandierten zur Halbzeit: "Wir wollen Rapid sehen!" – und verließen das Stadion vorzeitig, nachdem sie schon während des Spiels "Stöger raus!" riefen. Es war kein gewöhnlicher Abend. Es war der Tiefpunkt.

Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache als jede Redensart: In den letzten zwölf Pflichtspielen verlor Rapid acht Mal. Dazu gehören die 1:2-Heimniederlage gegen Grazer Athletiksportklub (GAK) und nun diese 1:4-Pleite. In der UEFA Conference League ist Rapid mit null Punkten aus sechs Spielen endgültig ausgeschieden – der letzte Hoffnungsschimmer erloschen. Die Mannschaft spielt nicht schlecht – sie spielt ohne Glauben. Ohne Führung. Ohne Identität.

Stögers Traum, der zu früh endete

Peter Stöger war kein gewöhnlicher Trainerwechsel. Der ehemalige 1. FC Köln-Trainer kam mit dem Image eines strukturierten, charismatischen Profis nach Wien. Er sprach von "Projekten", nicht von "Saisonzielen". "Ich will etwas auf die Beine stellen, das nachhaltig erfolgreich ist", hatte er noch vor der Polen-Niederlage gesagt. Doch die Realität hinkte hinterher. Die Mannschaft verlor nicht nur Spiele – sie verlor das Vertrauen der Fans, der Mannschaft und letztlich auch des Vereinsvorstands.

Stöger hatte 27 Pflichtspiele absolviert – und nur drei Siege eingefahren. Die Taktik war oft zu passiv, die Umschaltgeschwindigkeit zu langsam. Immer wieder fiel Rapid in die alte Falle: starke erste Halbzeit, dann Einbruch. Die Spieler wirkten verloren, als hätte Stöger sie mit zu vielen Anweisungen überladen – und zu wenig mit Selbstvertrauen versorgt.

Markus Katzer: "Es tut weh, aber es ist notwendig"

Markus Katzer (45), Geschäftsführer Sport des SK Rapid Wien, war sichtlich erschüttert, als er die Entscheidung bekanntgab. "Diese Entscheidung fällt extrem schwer, da ich Peter Stöger und Thomas Sageder für ihre Expertise und ihren Charakter sehr schätze", sagte er. Doch dann kam der entscheidende Satz: "Die Entwicklung der letzten Wochen macht diese Freistellungen aber notwendig."

Es war kein klassischer "Schnellschuss" – sondern eine langsam gereifte Erkenntnis. Katzer betonte, dass Rapid nach der Länderspielpause auf eine Trendwende gehofft hatte. Stattdessen kam die Niederlage gegen GAK, dann das Debakel in Polen. "Die Resultate und Leistungen haben uns nun zu dieser Entscheidung veranlasst."

Und er machte klar: "Wir wollen keinen Schnellschuss machen."

Wer kommt jetzt? Kulovits an der Seitenlinie – und ein neuer Chef im Fokus

Bis zur Suche nach einem neuen Trainer übernimmt Stefan Kulovits (41), bisher Co-Trainer, die Verantwortung. Der 41-Jährige ist kein Neuling – er kennt die Mannschaft, die Spielweise, die Probleme. Er ist ruhig, strukturiert, respektiert. Ein Stabilisator. Aber kein Revolutionär.

Kulovits wird die nächsten drei Bundesliga-Spiele leiten – gegen LASK Linz, dann gegen Red Bull Salzburg und Abschluss gegen Austria Wien. Die Aufgabe: Ruhe schaffen, Verantwortung übernehmen, die Mannschaft nicht weiter auseinanderfallen lassen. Die Fans erwarten nicht mehr Sieg – sondern Stabilität. Und ein Zeichen, dass der Verein wieder weiß, wohin er will.

Der Trainermarkt ist bereits aktiv. Namen wie Andreas Herzog, Christian Ilzer oder sogar Michael Gspurning werden laut. Doch Katzer betont: "Wir suchen nicht nach einem Namen, sondern nach einer Persönlichkeit, die mit dieser Mannschaft wachsen kann." Warum das mehr als ein Trainerwechsel ist

Warum das mehr als ein Trainerwechsel ist

Rapid Wien ist kein gewöhnlicher Verein. Gegründet 1898, hat der Verein eine lange Tradition – und eine Fanbasis, die nicht leicht zu täuschen ist. Die Trennung von Stöger ist kein isolierter Fall. Es ist ein Signal: Der Verein will nicht mehr nur "überleben". Er will zurück in die europäische Mitte. Die Niederlage in Polen war das Ende eines Fehlstarts – aber nicht das Ende der Hoffnung.

Was viele übersehen: Rapid liegt noch auf Platz zwei in der Bundesliga. Die Chance auf die Meisterschaft ist nicht tot – sie ist nur schwerer geworden. Und das ist das Paradoxon: Der Europacup-Aus hat die Bundesliga-Position gerettet. Denn jetzt kann sich die Mannschaft wieder auf das Wesentliche konzentrieren: die Liga.

Was kommt als Nächstes?

Die nächsten Wochen entscheiden, ob Rapid wieder zu sich findet. Kulovits wird die Mannschaft stabilisieren – aber wer danach kommt, wird entscheiden, ob es eine Neuanfang wird – oder nur eine neue Phase des Suchens. Die Fans warten nicht auf einen Star-Trainer. Sie warten auf einen, der sie wieder versteht.

Frequently Asked Questions

Warum wurde Stöger entlassen, obwohl Rapid noch auf Platz zwei in der Bundesliga liegt?

Weil der Europacup-Aus und die Serie von acht Niederlagen in zwölf Spielen das Vertrauen in die sportliche Richtung zerstört haben. Der Verein sieht die Bundesliga als Grundlage – aber ohne Stabilität im Europacup und ohne Glauben der Fans bleibt auch ein zweiter Platz im Herbst wertlos. Die Entscheidung war eine strategische, keine rein tabellenbasierte.

Was bedeutet die Trennung für die Zukunft von Rapid Wien?

Sie ist ein Wendepunkt. Rapid will zurück in die europäische Konkurrenz – und dafür braucht es mehr als gute Ergebnisse. Es braucht eine klare Identität, eine starke Führung und eine Verbindung zu den Fans. Wer immer kommt, muss diese drei Säulen wieder aufbauen. Der Verein hat die Chance, aus dem Chaos eine neue Ära zu gestalten – oder in der Mitte zu verharren.

Wie reagieren die Rapid-Fans auf die Entlassung?

Die Reaktionen sind gemischt. Viele Fans jubeln – sie fühlen sich endlich wieder gehört. Andere fürchten, dass es jetzt noch schlimmer wird. Diejenigen, die nach Polen gereist sind, sind besonders enttäuscht. Sie sahen nicht nur eine Niederlage – sie sahen einen Verlust der Seele des Vereins. Die Hoffnung liegt jetzt bei Kulovits: Er soll Ruhe bringen, nicht Revolution.

Warum wurde Thomas Sageder mit entlassen?

Sageder war Stögers verlängerte Linke – er arbeitete eng mit ihm an Taktik und Mannschaftsorganisation. In der modernen Fußballwelt sind Trainer und Assistenten ein Team. Wer einen entlässt, entlässt oft auch den anderen – besonders wenn die Struktur nicht mehr funktioniert. Sageder hat nicht allein verantwortet – aber er war Teil des Systems, das versagt hat.

Hat Rapid schon einen Nachfolger im Auge?

Nein – und das ist bewusst. Geschäftsführer Katzer betont, dass man keinen Schnellschuss machen will. Es wird nach jemandem gesucht, der Erfahrung mit Aufbauarbeit hat, nicht nur mit Siegen. Namen wie Herzog oder Ilzer werden genannt – aber die Entscheidung wird erst nach den nächsten drei Spielen fallen. Geduld ist jetzt die größte Tugend.

Was bedeutet das für andere Trainer in der Bundesliga?

Es ist ein Warnschuss. Selbst Red Bull Salzburg und SK Sturm Graz, die momentan führen, wissen: Wer nicht überzeugt, wird nicht geduldet. Der Druck steigt – nicht nur wegen der Ergebnisse, sondern wegen der Erwartungen der Fans. In Österreich ist die Fan-Identität stärker denn je. Kein Trainer ist mehr sicher – egal wie gut die Tabelle aussieht.